Vermögensaufbau

Vermögensaufbau

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Dank verbesserter Lebens- und Gesundheitsbedingungen können sich – statistisch gesehen – 55-Jährige heute weiterer 25 bis 30 Jahre ihres Lebens erfreuen. Eine längere Lebensdauer erfordert jedoch eine sorgfältige Finanzplanung.

Besprechen Sie Ihre Pläne für die kommenden Jahre rechtzeitig mit Ihrem Partner, sofern Sie einen haben. Klären sollten Sie unter anderem folgende Fragen: Wie lange möchten Sie arbeiten? Wie möchten Sie im Alter wohnen und wie Ihre Freizeit gestalten? Was passiert im Pflegefall?

Einer der wichtigsten Punkte ist die Klärung der persönlichen Rentensituation.

Hinweis: Altersrenten werden nicht automatisch gezahlt. Rund drei Monate vor geplantem Rentenbeginn muss bei der gesetzlichen Rentenversicherung ein Antrag gestellt werden.

Vermögensbilanz

Finden Sie heraus, welche wichtigen Ereignisse und Themen in den nächsten Jahren Ihre finanzielle Situation beeinflussen könnten. Ermitteln Sie dann Ihren finanziellen Bedarf im Alter. Bestimmen Sie, welche Einnahmen bereits gesichert sind und ob diese Ihren Bedarf decken. Berücksichtigen Sie auch, wie viel Ihr sonstiges Vermögen zum Lebensunterhalt im Ruhestand beisteuern kann. Je nach Ergebnis sollten Sie daraus jetzt unterschiedliche Schlüsse für die Zeit bis zum Rentenbeginn ziehen.

Fall 1: Ihre bisher gesicherten Renteneinkünfte und das vorhandene Vermögen reichen nicht aus, um Ihr angestrebtes Versorgungsniveau zu erreichen. Hier heißt es sofort handeln. Entweder finden Sie Wege zur Erhöhung Ihrer Einnahmen (z. B. durch Hinzuverdienst) oder Sie senken Ihre Ansprüche und Ausgaben. Prüfen Sie Einsparpotenziale in Ihrem Haushalt – von den Heizkosten bis zu Ihren Einkaufs- und Urlaubsgewohnheiten.

Fall 2: Das Ergebnis ist ausgeglichen oder leicht negativ. In diesem Fall geht Ihre bisherige Vorsorgestrategie fast auf. Die Risiken sind jedoch noch nicht gebannt. Sie sollten daher Ihre Vermögensentwicklung und Ihre Ausgaben genau im Auge behalten.

Fall 3: Das Ergebnis ist positiv. Falls alles weiterläuft wie bisher, haben Sie finanziell ausgesorgt. Glückwunsch! Sie können möglicherweise sogar überlegen, früher in den Ruhestand zu wechseln, Ihre heutigen Vorsorgeaufwendungen zu verringern oder sich eine höhere Rente auszuschütten.

Tipp: Reicht alles nicht aus, haben auch Rentner Anspruch auf staatliche Unterstützung wie Grundsicherung und Wohngeld, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Kräften bestreiten können.

 

Kredite tilgen

Die Tilgung von Krediten ist die beste und sicherste Geldanlage: Der eingesparte Kreditzins ist grundsätzlich höher als die Verzinsung einer risikolosen Anlage. Auch die eigene Immobilie sollte spätestens bis zum Renteneintritt abbezahlt sein.

 

Riester-Rente für 55 Jährige: ja oder nein?

Sie kann sich lohnen, muss aber nicht. Dies hängt vom Einzelfall ab. Alternativ können Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber nach einer Erhöhung der betrieblichen Altersvorsorge erkundigen.

 

Wie Vermögen aufteilen?

In der letzten Phase des Vermögensaufbaus – also etwa ab 55 Jahren – sollte man schrittweise auch auf risikoärmere Anlagen (Anleihen und Immobilien) umstellen. Folgendes 4-Stufen-Modell hat sich in der Praxis bewährt:

  1. Stufe: Geld für den laufenden Zahlungsverkehr
    Betrag: Max. 1 Monatseinkommen
    Anlageform: Girokonto 
  2. Stufe: Liquiditätspolster (Rücklagen für kurzfristige Anschaffungen, Reparaturen, Urlaub)
    Betrag: 3-6 Monatseinkommen
    Anlageform: kurzfristig verfügbaren Anlagen, z.B. Tagesgeldkonto, Geldmarktfonds 
  3. Stufe: Mittelfristige Anlagen (größere Anschaffungen, die auf Sicht von 3-12 Monaten planbar sind (neues Auto, Fernreise, Immobilie)
    Betrag: Der Betrag, der Stufe 1 und 2 übersteigt und zusätzlich zu Ihren gesetzlichen und betrieblichen Rentenansprüchen notwendig ist, um ihren Lebensstandard für die nächsten 5 Jahre zu finanzieren (max. ca. 18.000 Euro). Beispiel: Sie beziehen eine gesetzliche Rente von 1.200 Euro und benötigen weitere 300 Euro monatlich aus Ihrer privaten Altersvorsorge bzw. Ihren Ersparnissen. Sie legen also für diesen zusätzlichen Bedarf 18.000 Euro (300 Euro x 60 Monate) kurz- und mittelfristig an.
    Anlageform: Offene Immobilienfonds, Rentenfonds, Mischfonds mit hohem Rentenanteil 
  4. Stufe: Altersvorsorge
    Betrag: Alles, was die vorherigen 3 Stufen übersteigt.
    Anlageform: Aktienfonds, Indexfonds, Dachfonds, Mischfonds, geförderte Renten, selbst genutzte Immobilien 

Dabei empfiehlt es sich aus Sicherheitsgründen, den Anteil schwankungsanfälliger Anlageformen wie Aktien mit zunehmendem Alter immer weiter zu reduzieren.

Fotos: ©istockphoto.com/Wavebreakmedia/43051916