Job & Gehalt – Tipps für das Gehaltsgespräch

Job & Gehalt – Tipps für das Gehaltsgespräch

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Gehaltsverhandlungen sind kein Tabuthema

Natürlich – Arbeit sollte Spaß machen, einen erfüllen und die Rahmenbedingungen sollten zudem arbeitnehmerfreundlich gestaltet sein. Eine der zentralen Fragen im Laufe eines Berufslebens ist allerdings auch rein materieller Natur: die Gehaltsfrage. Die meisten Arbeitnehmer sind sicherlich der Ansicht, dass sie mehr verdienen würden – während Arbeitgeber meinen, die geleistete Arbeit ausreichend finanziell wertzuschätzen. Da viele Menschen nicht gerne über Geld und die eigenen Einkünfte sprechen, scheuen sich viele Arbeitnehmer davor, den Chef um mehr Gehalt zu bitten – der Gehaltswunsch steht dann oft unausgesprochen im Raum. Allerdings: Ohne Eigeninitiative kommt es selten zu einer positiven Gehaltsentwicklung. Wer nicht mehr fordert oder wenn kein Tarifvertrag für eine automatische Gehaltssteigerung sorgt, der bekommt in den meisten Fällen auch nichts. Das wirkt sich nicht nur auf das unmittelbare Gehalt aus, sondern auch auf die Rentenansprüche. Denn je höher der Lohn, desto höher die Einzahlungen in die Rentenkasse und desto höher später die Rente. Es heißt also, den Mut zusammenfassen und Gehaltsverhandlungen sorgfältig geplant und vorbereitet angehen. Um diese erfolgreich zu gestalten, gibt es einige Strategien, die Arbeitnehmer weiterbringen.

 

Gehalt ist frei verhandelbar

Wer einen individuellen Arbeitsvertrag aushandelt, kommt schnell auf den Punkt „Gehalt“. Sofern kein Tarifvertrag greift, ist dieses Teil des Arbeitsvertrags und frei verhandelbar. Entscheidend für den Verlauf eines Gehaltsgesprächs sind vor allem der berufliche Werdegang des Arbeitnehmers und seine persönlichen Qualifikationen. Eine Portion gesundes Selbstbewusstsein, aber auch eine geschickte Verhandlungstaktik können Sie dem gewünschten Ziel einer Gehaltserhöhung einen Schritt näher bringen. Als Faustregel gilt: Bei einer Gehaltsverhandlung ist je nach Position, Branche und Unternehmensgröße eine Steigerung von etwa 3 bis 10% mehr Gehalt möglich. Bei einem Unternehmenswechsel manchmal sogar bis zu 20%, vor allem, wenn man abgeworben wird. Alternativ zu einer reinen Gehaltserhöhung lassen sich in der Gehaltsverhandlung oftmals auch nicht-monetäre Zusatzleistungen aushandeln (zum Beispiel Zuschüsse für Monatsfahrkarten im Nahverkehr oder Dienstwagen). Gehaltsgespräche sollten zudem alle ein bis zwei Jahre geführt werden, um für eine positive Gehaltsentwicklung zu sorgen. Der Arbeitgeber sitzt in einer Gehaltsverhandlung zwar immer am längeren Hebel, Chefs fordern gerne eine Gegenleistung zur Gehaltserhöhung. Das Lohnplus und der zusätzliche Arbeitsumfang sollten aber in einem fairen Verhältnis zueinander stehen. Aber: Eine moderate Gehaltserhöhung ist für den Chef in der Regel immer kostengünstiger, als eine neue Arbeitskraft einzustellen.

 

Gut vorbereitet in die Gehaltsverhandlung

Mit welchem Ziel der Arbeitnehmer in die Gehaltsverhandlung geht, ist von zentraler Bedeutung: Es gilt, das Verhandlungsziel festzulegen – sowohl Wunschgehalt als auch die persönliche Untergrenze – sowie die eigenen Leistungen, Erfolge und Qualifikationen zu kennen, die den Gehaltswunsch begründen. Um keine Summen zu nennen, die an der Realität vorbeigehen, ist es empfehlenswert, den regionalen Markt und den eigenen Marktwert sowie die branchenüblichen und positionsspezifischen Gehälter zu recherchieren und zu kennen.

Wo könnten solche relevanten Informationen zu finden sein?

  • Internetrecherche
  • Fachpublikationen
  • branchenspezifische Lohn- und Gehaltstarifverträge
  • vertrauensvolle Gespräche mit Kollegen, Freunden und Familienmitgliedern, die in ähnlichen Positionen oder in der gleichen Branche arbeiten

Welche äußeren Kennzeichen sind bei einer objektiven Gehaltsrecherche zu beachten? Durchschnittsgehalt in Abhängigkeit von…

  • Branche
  • Region
  • Firmengröße
  • Geschlecht
  • Studienabschluss

Die beste „Außen-Recherche“ hat allerdings wenig Wert, wenn man die finanzielle Situation des eigenen Unternehmens nicht in die Gesamtanalyse miteinbezieht. Dabei gibt es Betriebe, die transparent mit der wirtschaftlichen Situation, der Auftragslage, dem Gehaltsgefüge innerhalb der Belegschaft sowie der gesamtwirtschaftlichen Situation in der Branche umgehen – und andere, bei denen Arbeitnehmer die Situation nur antizipieren können. Klar ist: Je besser das Unternehmen am Markt dasteht, desto eher werden Gehaltswünsche auch Gehör finden. Nicht selten kommt es vor allem auf das richtige Timing eines Gehaltsgesprächs an!

 

Auf einen Blick: Taktik in der Gehaltsverhandlung

  • Gut vorbereitet in das Gespräch gehen, wichtige Kennzahlen recherchieren und nicht gleich beim ersten Gegenwind zurückrudern – sondern mit nachvollziehbaren Gegenargumenten reagieren.
  • In einer wirtschaftlich florierenden Situation nach mehr Gehalt fragen.
  • Der erste Ansprechpartner sollte immer der direkte Vorgesetzte sein (nicht automatisch der Firmenchef).
  • Es ist immer sinnvoll, einen konkreten Gesprächstermin mit dem Vorgesetzten zu vereinbaren, damit dieser auch genug Vorbereitungszeit hat.
  • Keine illusorischen Gehaltsvorstellungen äußern, die von vornherein zum Scheitern bestimmt sind.
  • Den richtigen Einstieg finden und nicht gleich mit „der Tür ins Haus fallen“.
  • Seine eigene Leistung, erfüllten Aufgaben und sein Können nicht unter Wert verkaufen und vorneweg klar artikulieren.
  • Gehaltsvorstellungen mit eigenem Verantwortungsbereich in Relation stellen.
  • Das stärkste Argument für ein besseres Gehalt immer zum Schluss anbringen und erst dann eine konkrete Zahl nennen.
  • Den Verhandlungspartner nicht provozieren oder gar mit einer Kündigung drohen!
  • Selbstbewusst in die Verhandlung gehen, aber auch Kompromissbereitschaft zeigen.

Fotos: ©istockphoto.com/AndreyPopov/33519078

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